Eine kulinarische Demonstration

18. November 2015

Seit 2 Stunden steht der Laptop neben mir, das weiße Bearbeitungsfeld blendet mich und selten fehlen mir die Worte so wie heute. Wie fange ich an?
Vielleicht mit einer Frage: 
Darf ein Foodblog politisch sein? Sollte er das vielleicht sogar in Zeiten wie diesen? Oder mache ich hier einfach weiter wie immer? Sozusagen aus Trotz! Lasse mich nicht "runterziehen" von dem, was da draußen in der Welt passiert. Hier geht es schließlich um gutes Essen, um Genuss, Freude am Kochen, nicht um Terror in Paris, Beirut, Bagdad oder Ankara.
Keiner will hier lesen, wie sehr mich bewegt, was Menschen Menschen antun. Oder doch?

Und während ich schreibe erreichen mich bereits die nächsten alarmierenden Nachrichten. In Hannover wurde ein Länderspiel abgesagt. Eine Bombendrohung. Das so symbolträchtige Freundschaftsspiel Deutschland - Niederlande findet nicht statt.
Wann immer ein durchlaufender Text auf dem Fernseher erscheint, beginnt mein Herz zu klopfen.
Was ist jetzt schon wieder passiert? Wo mussten Menschen sterben?

Auf Wikipedia gibt es eine "Liste von Terroranschlägen". 
Allein in diesem Jahr sind dort bis heute 15 Einträge aufgeführt. Fünfzehn!
Das berührt mich! Sehr sogar! Und ich würde am liebsten herausschreien, wie unbegreiflich das alles ist. Dass ich alles dafür geben würde, ganz naiv in einer heilen, friedvollen Welt leben zu dürfen. Dass ich einfach nicht verstehen kann, warum Deutschland immer noch Waffen nach Syrien liefert, die in den falschen Händen nicht der reinen Verteidigung des Lebens dienen, sondern dieses systematisch und eiskalt auslöschen.
Mich berühen die vielen, vielen Menschen, die auf der Flucht sind vor genau diesem Terror und die wir wieder aus Deutschland abschieben, anstatt unsere humanitäre Pflicht zu erfüllen.
Solange hier Waffen hergestellt und exportiert werden, die den Terror ermöglichen, stehen wir in der Schuld derer, denen das Zuhause mit einem Knopfdruck weggebombt wird.

Ich hätte so viel zu sagen! Aber dies ist und bleibt ein Foodblog. Deshalb wiederhole ich abschließend und mit Nachdruck meine Worte aus dem Beitrag "Blogger für Flüchtlinge":
Auf diesem Blog und in meiner Küche gibt es Essen aus aller Welt, Einflüsse aus den verschiedensten Kulturen dieser Erde, Gastblogger, Leser und Freunde aus fernen Küchen oder mit eigenem Migrationshintergrund.
Jankes*Soulfood ist herrlich bunt! Bunt im Sinne von weltoffen, herzlich, empathisch, freundschaftlich, gemeinschaftlich, helfend, verstehend und respektierend.
Meine Küche ist international - mein Herz ist es auch.
Es folgt eine kulinarische Demonstration mit der ich das wundervolle Event "Deutschland is(s)t bunt" von Conny und ihrem Blog "Seelenschmeichelei" unterstütze.

Weltbestes Hähnchen-Pilaw 
nach einem Rezept von Mascha Kauka


 Zutaten für 4 Personen:
  • 600ml Gemüse- oder Hühnerfond aus Deutschland
  • 1 Zimtstange aus Indonesien
  • 0,2g Safranpulver aus dem Mittelmeerraum
  • 1 große Gemüsezwiebel aus Deutschland
  • 1 Knoblauchzehe aus Deutschland
  • 1 EL frische Ingwerwurzel (gehackt) aus Nigeria
  • 1/2 TL gemahlenen Kreuzkümmel aus Indien
  • 1 Msp. Chilipulver aus Südamerika bzw. aus unserem Garten
  • 1 Msp. gemahlenen Kardamom aus Guatemala
  • frisch geriebene Muskatnuss aus Grenada
  • frisch gemahlener, schwarzer Pfeffer aus Vietnam
  • 500g Bio-Hähnchenbrustfilet aus Hessen
  • 4 EL Öl aus Tunesien
  • 200g Langkornreis aus China
  • 1 Lorbeerblatt aus dem Mittelmeerraum
  • 1 TL Salz aus Frankreich
  • 100g gedörrte Aprikosen aus der Türkei

Tipp: Ohne das Fleisch ist dieses Gericht ein wundervolles, veganes Essen. Wir haben einen Rest am folgenden Tag mit Weißkohl "verlängert" und fanden die Kombi sehr lecker.

Vorbereitungen: Gebt den Fond mit Safran und der Zimtstange in einen Topf und kocht ihn kurz auf. Vom Herd nehmen und ziehen lassen.

Knoblauchzehe und Zwiebel in feine Würfel schneiden, die Aprikosen dürfen etwas gröber zerteilt werden. Das Fleisch waschen, trockentupfen und in mundgerechte Stücke schneiden.
Kreuzkümmel, Chilipulver, Kardamom, Muskat und Pfeffer miteinander vermischen.

Zubereitung: Ofen auf 160°C vorheizen.
2 EL Öl in eine feuerfeste Pfanne oder einen Bräter geben - Achtung, Ihr braucht einen passenden Deckel! 


Fleisch kurz von allen Seiten scharf anbraten und wieder aus der Pfanne nehmen.
Restliches Öl in die Pfanne geben, Zwiebeln, Knoblauch und Ingwer zusammen mit den gemischten Gewürzen andünsten. 
Reis hinzugeben und glasig anschwitzen, dann mit Fond ablöschen.
Zimtstange herausnehmen, dafür darf das Lorbeerblatt nun in den Sud.
Aprikosen und Salz unterrühren, Fleisch dazu geben und alles mit geschlossenem Deckel für 20-25 Minuten in den Ofen stellen.
Nicht umrühren! 
Der Reis sollte nach Ablauf der Zeit gegart sein und die Brühe fast vollständig aufgenommen haben.
Die Gewürzkombination zusammen mit Reis, Aprikosen und Hähnchenfleisch schmeckt einmalig gut. Ein echtes Soulfood
 


Kommentare:

  1. Liebe Janke, was du jetzt sagst entspricht 100% meiner Denkensweise! Wir sind zwar sehr berührt, aber es soll mit der Bloggerei, der Lebensfreunde, der Freundschaft und dem gegenseitigen Respekt weiter gehen, sonst haben die Terroristen ihr Ziel errreicht! Mach mal weiter, denn dein Blog ist recht herzerwärmend <3 Liebe Grüße

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  2. Liebe Janke,
    was für ein schöner Beitrag - gerade in einer Woche wie dieser. Danke dafür!
    Viele Grüße
    Conny

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  3. Du sprichst mir sehr aus dem Herzen und aus dem Hirn ! Was du sagst und denkst trifft mich auch sehr und ich finde es sehr gut und richtig, wie du damit umgehst. Danke für deine Ausführungen und die Art dein Rezept zu schreiben ist eine richtig gute Idee. Wenn es dir nichts ausmacht, werd ich das auch mal tun. Viele Grüsse aus Nürnberg von Anja

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  4. Wirklich 2g Safran? Dann wirds aber teuer.

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    1. Hahahahaha... vielen Dank für den Hinweis. Es sind natürlich 0,2g.
      Alles andere wäre in der Tat Luxus ;-)

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    2. So, gestern nachgekocht und für gut befunden. Wirklich excellenter Geschmack und einfach zu kochen :D Danke für das Rezept.

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